Weekend Magazin Niederösterreich Wien Umgebung

W eekend: Hat sich das Verhältnis der Österreicher zu Lebensmitteln durch Corona verändert? Michael Blass: Der Respekt der Konsumenten gegenüber den Lebensmitteln und seinen Erzeugern hat zugenommen. Die Menschen beschäftigen sich gern mit dem Thema, die Frage nach der Wertigkeit ei- nes Lebensmittels hat an Be- deutung gewonnen. Ein Indiz dafür sind etwa Bioprodukte. Hier haben sowohl Angebot als auch Nachfrage aktuell ei- nen Höchststand erreicht. weekend: Im internationalen Vergleich geben die Österrei- cher relativ wenig für Lebens- mittel aus, elf Prozent vom verfügbaren Einkommen. Michael Blass: Das liegt zum Teil an der international ver- gleichsweise stabilen Einkom- menssituation in Österreich, aber vor allem an den Effizi- enzfortschritten in der Land- wirtschaft: Die Agrarwirt- schaft hat massiv zu unserem heutigen Wohlstand beige- tragen. Man muss aber auch sehen, dass wir in puncto Le- bensmittel ein geteiltes Land sind. Viele machen sich bei ihrem Einkauf im Super- markt Gedanken. Anders ist die Situation im Bereich Be- triebskantinen, Großküchen und so weiter. Da sind viele nicht bereit, auch nur 30 oder 50 Cent mehr für ein Essen aus- zugeben. Hier sind Politik und Zivilgesellschaft aufgefordert, Bewusstseinsarbeit zu leisten. Das Diktat darf nicht der niedrigste Preis, sondernmuss die Qualität sein. weekend: Wie beurteilen Sie den Selbstversorgungsgrad in Österreich? Müssen wir uns Sorgen machen? Michael Blass: Milch, Milch- produkte und Rind exportie- ren wir, bei Schwein hält es sich die Waage. Eines muss klar sein: Zwei Drittel der Wertschöpfung generiert die österreichische Land- und Le- bensmittelwirtschaft außer- halb der Landesgrenzen. Ich spreche mich klar für interna- „Tierwohl-Standards erfordern enor- me Investitionen. Wir brauchen die Solidarität der Konsumenten, etwas mehr zu bezahlen.“ Michael Blass, Geschäftsführer Agrarmarketing Austria HIGHLIGHTS FOTOS: AGRARMARKT AUSTRIA Bewusst kaufen INSTANZ. Beinahe täglich begegnen uns auf Produkten oder in den Medien die Gütesiegel der Agrarmarketing Austria, kurz AMA. Sie ist kein Unternehmen wie jedes andere, hat die AMA doch einen gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. Geschäftsführer Dr. Michael Blass im Gespräch. Von Andrea Schröder ZUR PERSON Dr. Michael Blass ist Jurist und seit 2013 Geschäftsführer der Agrar- markt Austria Marketing GesmbH. Die wesentlichen Aufgaben der AMA: Qualitätssicherung, Informationsvermittlung und Absatzförderung. tionale Zusammenarbeit und gegen Tendenzen aus, sich abzuschotten, als könnte man alles allein schaffen. weekend: Ein weiteres gesell- schaftlich relevantes The- ma ist das Tierwohl. Michael Blass: Wir wün- schen uns und setzen uns dafür ein, dass dafür noch mehr getan wird. Die Kennzeichnung mit dem AMA-Gütesiegel-Modul „Mehr Tierwohl“ ist eine klare Kaufempfehlung. Die Standards, die zu erfüllen sind, erfordern aber von den Landwirten enorme Investi­ tionen. Da brauchen wir die Solidarität der Konsumen- ten: Wir glauben an Tier- wohl und sind bereit, etwas mehr dafür zu bezahlen. weekend: AMA Gütesiegel haben einen Bekanntheits- wert von über 90 Prozent. Was sind Ihre weiteren Ziele? Michael Blass: Die AMA will die Erfolgsstory des Gütesie- gels für Lebensmittel noch stärker auf den Out-of-ho- me-Bereich übertragen. Mehr als 50 Prozent aller Le- bensmittel werden To go konsumiert beziehungswei- se in der Gastronomie, vom Würstelstand bis zum Stei- rereck. Hier etablieren wir sukzessive auf Betriebsebe- ne das Siegel AMA Genuss- region, das dem Konsumen- ten Qualität und Herkunft garantiert. V WEEKEND MAGAZIN | 5

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