Weekend Magazin Inn-Salzach/Altötting

W eekend: Nach ei- nem Sommer mit Veranstaltungen jetzt wieder das Aus für die Kultur. Ist das nachvollzieh- bar? Birgit Reiprich: Ich verstehe die Priorität der Gesund- heitsvorsorge, und ich finde toll, dass Schule und Kitas of- fen gehalten werden. Aber dass man die Leute in die Pri- vatsphäre geschickt hat, wo scheinbar dort viele Infektio- nen stattfinden, das verstehe ich nicht, da ist für mich ein Widerspruch. Es geht ja nicht nur um die Künstler, sondern auch um die Gastronomie rundherum und auch die Veranstaltungstechnik. weekend: Wäre es Ihrer Mei- nung nach möglich und si- cher, Kultur zuzulassen? Birgit Reiprich: Wir haben im letzten Halbjahr 85 Veran- staltungen unter Coro- na-Bedingungen durchge- führt, ein Viertel davon im Herbst in Innenräumen. Die erstellten Hygienekonzepte haben funktioniert, die Be- sucher haben sich sicher ge- fühlt und das auch uns ge- genüber so kommuniziert. Wir sind – zu einer Zeit, als die Nachverfolgung der Kontakte infizierter Patien- ten auch im Landkreis Altöt- ting gut möglich gewesen sein sollte – nicht ein einzi- ges Mal vom Gesundheits- amt angefragt worden, die von uns geführten Listen zur Kontaktnachverfolgung aus- zuhändigen. Wir gehen da- her davon aus, dass unsere Veranstaltungen und auch unsere Besucher nicht zur Verbreitung der Krankheit beigetragen haben. weekend: Trotzdem sieht es derzeit nicht so aus, als ob es bis Weihnachten Lockerun- gen gäbe. Wie planen Sie? Bgm. Florian Schneider: Wir hoffen drauf, dass es leichter wird. Für die Wintermonate ist die Perspektive schwierig, da sehe ich tatsächlich keine Möglichkeit für Veranstal- tungen im Saal. Unbedingt muss aber weihnachtlicher Flair in die Stadt, da kann ich mir durchaus vorstellen, dass Kerzen aufgestellt werden, vielleicht auch in der Form eines offenen Lichterlweges oder Musik aus den Fenstern – wenn es denn erlaubt wird. Wir hoffen auch auf den be- liebten Adventskalender. weekend: Und die Kul- tur-Strategie für 2021? Bgm. Florian Schneider: Wir fahren auf Sicht. Man muss sich Monat für Monat vorar- beiten. Die Strategie ist, die Veranstaltungen eher in den Sommer zu verschieben. Wir planen Ausstellungen, Kon- zerte, Literatur live, auf der Burg soll es den Kultursom- mer geben. Die Strategie ist keinesfalls, das übliche Kul- turprogramm auszudünnen. Wobei wir im ersten Quartal sehr zurückhaltend sein müssen mit Großveranstal- tungen – das trifft dieses Jahr auch die Jazzwoche. Sie soll auf alle Fälle stattfinden, aber wahrscheinlich nicht zum üblichen Zeitpunkt. Man muss jetzt eben bei manchem auch unkonventionelle, krea- tive Lösungen finden. V „Grundsätzlich machen wir immer, sobald wir dürfen, ein Kulturpro- gramm, auch, wenn es unter schwierigeren Umständen ist.“ Florian Schneider, Erster Bürgermeister KULTURTALK Stille Kulturstadt NEUAUSRICHTUNG. Die Veranstaltungshochburg Burghausen hat Corona-bedingt ihre Brücken hochziehen müssen. Lesen Sie, warum man auf Öffnung hofft und mit welchen unkonventionellen Strategien ins kommende Jahr gegangen wird. Von Andrea Obele ZUR PERSON Florian Schneider. Erster Bürgermeister von Burg- hausen und Kulturbeauf- tragter der Salzachstadt, weshalb ihm das Thema sehr am Herzen liegt. ZUR PERSON Birgit Reiprich. Leiterin des Kulturbüros Burghausen. Sie hofft, dass es mit einem Konzert in Raitenhaslach heuer noch einen schönen kulturellen Abschluss gibt. FOTOS: OBELE COVERFOTOS: FERGREGORY/ISTOCK/GETTY IMAGES PLUS/GETTY IMAGES, GLOBALP/ISTOCK/GETTY IMAGES (ESEL), COLOURBOX.DE (BRILLE+KAPPE), MONTAGE:WEEKEND MAGAZIN, PHONLAMAIPHOTO/ISTOCK/GETTY IMAGES, GROSSBILD: CYANO66/ISTOCK/GETTY IMAGES, HG: COLOURBOX.DE, EVGENYATAMANENKO/ISTOCK.COM

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