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B isher ist die Baustoff-Branche relativ glimpflich durch die Co- rona-Krise gekommen. Damit das auch so bleibt, hofft Robert Schmid auf mehr Klarheit im Förde- rungsdschungel. Ihr Fachverband vertritt die Interessen von mehr als 300 industriellen Baustoff- und Keramikunternehmen. Wie schätzen Sie die derzeitige Stimmung ein? ROBERTSCHMID: Die Stimmung unserer Unternehmen in der Baustoffindustrie ist zweigeteilt: Dankbar für die unmittel- bare Vergangenheit, da die ersten Mo- nate von Corona den österreichischen Bauschaffenden als systemrelevanter Sektor nur leicht geschadet ha- ben. Da sonst wenig zu tun war, haben die Leute gebaut. Das hat zu einem relativ geringenMinus unserer Branche geführt. Die derzeitige Stimmung würde ich jedoch als eine Mischung aus Vorsicht und Pessimismus einschätzen. Die Baustoffindustrie hat im ers- ten heurigen Halbjahr deutliche Umsatzrückgänge hinnehmen müssen, wie sieht Ihre Prognose für die zweite Jahreshälfte aus? ROBERT SCHMID: Die zweite Jahreshälfte wird wahrschein- lich ähnlich wie die erste ausse- hen. Wir leben noch immer von Aufträgen, die schon vor län- gerer Zeit beauftragt wurden. Höhere und mehr Förderungen im Wohnungsbau, Handwerker- bonus – wie lassen sich die Ne- gativtendenzen stoppen? ROBERT SCHMID: Jede Förde- rung und jeder Anstoß für den Wohnungsbau sind hilfreich. Dies alleine wird die Negativtendenzen jedoch nicht stoppen können. Viel wich- tiger ist, dass all die Baugenehmigun- gen für Neubau und Sanierung, die in den letzten Monaten von den Behörden nicht erteilt wurden, so raschwiemöglich nachgeholt werden. In vielen Regionen Österreichs braucht man schon für das Aufstellen eines Bauschuttcontainers eine entsprechende Genehmigung. Wenn nicht mal diese da ist, dann kann von Baumaßnahmen keine Rede sein, und das ist ein größeres Problem als das Nichtvorhandensein von Förderungen. Die meisten Förderungen in Österreich sind auch derart kompliziert ausgestal- tet, dass sie nur sehr eingeschränkt ab- geholt werden, da die Menschen Angst vor zu vielen Auflagen haben. Nur eine Erhöhung der Geschwindigkeit bei Ge- nehmigungen und eine Reduktion der Komplexheit von Auflagen wird zumehr Baugeschehen führen. Welche Hilfestellungen erwarten Sie von der Bundespolitik? ROBERT SCHMID: SchnelleGenehmigun- genbeimNeubau und einganz klares Sta- tement, dassSanierungenwünschenswert sind, und zwar nicht nur der Austausch von Heizungen, sondern die grundle- gende Verbesserung unserer Gebäude, besonders in thermischer Hinsicht. Nur durch das Dämmen von Gebäuden wird der Energieverbrauch geringer und alle anderen Maßnahmen können dann folgen. Man be- ginnt derzeit am falschen Ende, indem man mit dem Austausch vonHeizungenanfängt, ohnedas Themader thermischenHülleda- vor anzugehen. Corona gibt dem Thema Woh- nen und Eigenheim eine neue Bedeutung. Auf welcher Ebene kann Ihre Branche profitieren? ROBERT SCHMID: Corona hat si- cher dazu geführt, dass sich viele Menschen wieder auf ihr Heim besinnen und draufkommen, dass es auch zuhause lebens- wert sein kann. Dass das Geld nicht für Reisen oder andere Freizeittätigkeiten ausgegeben werden musste, hatte zur Folge, dass auch entsprechende Mittel und Budgets für die Verschöne- rung der eigenen vier Wände zur Verfügung stehen. Denn in einemgutenundgesundenHaus lebt es sich einfach besser und schöner.  v HOFFEN AUF WENIGER BÜROKRATIE INTERVIEW: GERHARD GALL INTERVIEW. Robert Schmid, Obmann der WKO-Sparte Stein- & Keramikhandel, über die Stimmung in der Branche und die Hoffnung auf unkomplizierte Förderungen. FOTOS: BEIGESTELLT Robert Schmid, Obmann der WKO-Sparte Stein- & Kera- mikhandel HOME 67

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